Ausgeschrieben
aus IQstyle Mai 2005
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei? Die Lebensberichte von Gordon & Martin haben auch zwei Enden – und Würste spielen darin eine nicht unwesentliche Rolle.
Gordon:
Bekanntlich soll man ja aufhören, wenn es am schönsten ist. So der olle Volksmund. Nur: Woher weiß man, wenn es am schönsten ist? Beziehungsweise, wie kann man sich sicher sein, dass es nicht noch schöner geworden wäre, hätte man nicht aufgehört?
So eine kleine Beziehung zum Beispiel: Soll man die einfach Geschichte sein lassen, nur weil es mit der Liebe gerade tierisch abgeht, das Herz wild puckert und der Beischlaf die Nachbarn wach hält? Soll man nicht! Oder Rauchen: Soll man mit dem Rauchen aufhören, wenn's am schönsten ist? Ist doch Quatsch. Charakterlich gefestigte Menschen wie meine Wenigkeit finden Rauchen sowieso immer schön. Wankelmütige Querulanten wie die Liebe meines Lebens, die den Zigaretten vor sechs Monaten Adieu sagte, finden Rauchen gar nicht schön. Wie soll man sich da einigen? Und warum klinge ich inzwischen schon wie Carrie Dingsbums aus "Sex and the City", die eine rhetorische Frage nach der anderen stellt?
Da, schon wieder!
Egal.
Kommen wir zum Wesentlichen: Martin, seines Zeichens immer noch der schickste Schatz der Welt, fällt nix mehr ein. Während die Ideen und klugen Gedanken aus mir wie eh und je nur so heraussprudeln, weiß er nicht mehr, worüber er schreiben soll. Gähnende Leere im schicken Kopf. Das ist traurig, aber nicht zu ändern.
Und deshalb ist ab jetzt Schluss mit diesen kleinen Texten, die die Welt sowieso nicht braucht. Wir sagen Danke fürs Lesen und schaffen Platz für Sinnvolleres. Obwohl es schon ganz lustig war. Eigentlich wurde es sogar immer lustiger. Quasi schöner. Für uns zumindest. Genau genommen ist es jetzt am schönsten. Und vielleicht wäre es nächsten Monat noch schöner, aber das kann niemand so genau wissen. Deshalb gehen wir auf Nummer sicher und hören lieber auf.
Nicht zuletzt dem ollen Volksmund zuliebe. Sagt der nicht auch den schönen Satz "Man sieht sich immer zweimal im Leben"? Na dann!
Martin:
Ob sich nun auch Millionen Menschen weltweit in Kondolenzbücher eintragen werden wie beim Papst? Ob die Seite 98 dieses Heftes öffentlich aufgebahrt wird, und Tausende ziehen wild fotografierend daran vorbei? Und irgendwann quillt die Seite auf, wird ganz grau und faltig und ist gar nicht mehr hübsch anzuschauen, und wird dann in einer Gruft verbuddelt, und in hundert Jahren kann sich keiner mehr erinnern, was das hier eigentlich war?
Bevor auch ich so klinge wie Carrie Dingsbums, muss etwas klargestellt werden: Es gibt einen zwingenden Grund, dass jetzt mal Schluss ist. Gordon, der schickste Schatz unter allen schicken Schätzen, muss nämlich entlastet werden. Er kann einfach nicht mehr.
Mir kommen jedes Mal die Tränen, wenn er sich bei unserem samstäglichen Einkaufsritual an einer ganzen Kiste Mineralwasser abmüht. Da verzerrt sich sein Gesicht vor Schmerz, und für einen ganz, ganz kurzen Moment ist er nicht mehr der schickste Schatz unter allen schicken Schätzen. Neuerdings hat er's nämlich am Rücken. Jedenfalls immer samstags. Da kriegt er ihn, höhöhö, einfach nicht mehr hoch, wenn vorne an seinen Wursthänden eine Wasserkiste dranhängt.
Die anderen Kunden im Supermarkt unserer Herzen gucken schon immer ganz empört, wenn ich die Bierkiste galant auf einem Finger aus dem Laden balanciere, während Gordon keuchend und auch fürchterlich schwitzend mit seiner Last hinterher stolpert. Die Zeugen rufen manchmal schon nach Amnesty International.
Also werden die klobigen Finger vom schicksten Schatz jetzt mal vom Witzechenmachen und Kolumneschreiben befreit, damit er sich wieder mehr um die Mineralwasserkisten kümmern kann. Schließlich liebe ich den schicksten Schatz ja viel zu sehr, als dass ich ihn einfach so von den wichtigsten Aufgaben im Rahmen der Beziehungspflege entbinde. Wasser! Marsch!
