Bewegungstalente
aus IQstyle Juni 2003
Gordon & Martin haben jetzt beide eine Drei vor dem Komma. Da wäre es doch mal an der Zeit für ein paar sportliche Betätigungen, oder? Nur für welche?
MARTIN
Wenn der kleine Gordon eines seiner 27 ausgeleierten schwarzen T-Shirts trägt, dann glauben ahnungslose Menschen, darunter versteckten sich enorme Muskeln, die Eisen biegen, Hanteln stemmen und kleine arglose Jungs ... naja, was auch immer. Ein fataler Trugschluss, denn das sind gar keine Muskeln, das ist leider etwas ganz anderes, und der Respekt vor dem geneigten Leser verbietet es mir, darüber zu philosophieren, aus welchem Material diese Berge eigentlich bestehen.
Dabei ist Gordon ja dem Sport durchaus nicht abgeneigt. Mindestens einmal im halben Jahr spielt er Badminton (ich nenne es ja, aus gutem Grund, Federball), und im Boxen, Autofahren und vor allem im Jetski-Fahren ist er ein ganz Großer. Leider nur auf der Playstation, weshalb seine beiden einzigen austrainierten Körperteile sein linker und sein rechter Daumen sind. Er war auch mal aktives Mitglied eines Fitnessstudios, aktiv insbesondere hinsichtlich des Sich-Anmeldens und Danach-nie-wieder-Hingehens.
Vor kurzem waren wir ein sonniges Wochenende über bei Freunden auf dem Land, die haben einen großen Garten und eine staubige Garage mit einer Tischtennisplatte drin. Wir haben dann zwei Tage lang Tischtennis gespielt, bevorzugt die chinesische Variante mit Drumrumrennen, und Gordon hat natürlich meistens gewonnen, weil er – wie jeder körperbewegungstechnische Totalversager – immer nur fies spielen kann und den kleinen Ball dahin setzt, wo ihn auch das größe Bewegungstalent, also ich, unmöglich kriegen kann.
Damit Gordon auch mal eine Chance kriegt, guten, fairen und ehrlichen Sport zu treiben, müssen wir ihm also tragfähige Muskelsträngen anzüchten. Stufe eins des Programms: Umzugshelferei, da tut man ja auch noch ein gutes Werk und kriegt Kaltgetränke hingestellt. Leider ist unser gesamter Freundeskreis mittlerweile so verspießbürgerlicht, dass nur noch alle vier Jahre umgezogen wird. Aber im Kinderwagenschieben bieten sich noch ungeahnte Potenziale, wobei besonders schwergängige und idealerweise weitgehend eingerostete Oldschool-Modelle zu bevorzugen wären.
Etwas Sorge bereitet mir Gordons neuerdings wieder aufgeflammte Leidenschaft für morgendliche Mini-Prügeleien. Wenn ich mich in der für gewöhnlich etwas konfusen Aufwachphase ausnahmsweise mal gar nicht löffeln lassen möchte, dann kriege ich neuerdings unfeine Backpfeifen und ungemütliche Knuffe in die Magengegend. Vielleicht arbeitet Gordon gerade an einer Zweitkarriere im Catchen. Hmm. Ich glaube, das mit dem Sport, das lassen wir einfach mal. Ist ja eigentlich auch in meinem Interesse.
GORDON
Martin, den ich ja – und das sei an dieser Stelle noch einmal vorsichtshalber extra betont – so sehr liebe, als wäre er ich selbst, muss eine sehr schwierige Jugend gehabt haben. Als einer der besseren Schüler in seiner Dorfschule, der nur in einem Fach dem absoluten Versagen bedrohlich nahe kam – und das war Sport –, war er vermutlich prädestiniert für die Rolle des Klassenstrebers. Denn Sport ist nicht so Martins Sache. Zwar hat er circa zehn Paar Turnschuhe, doch die allein aus modischen Beweggründen. Er joggt nicht, geht nicht zum Fitness und selbst die zehn Minuten Fahrrad fahren zur Arbeit wurden mit dem Erwerb eines Autos eingestellt. Dass er trotzdem einen der knackigsten Hintern hat, der mir je unter die Augen gekommen ist, ist eine große Ungerechtigkeit und als eindeutiger Beweis für die Nichtexistenz Gottes anzusehen.
Aber mit zunehmendem Alter sollte dieses Zufallsprodukt eines Knackarsches auch trainiert werden, damit es ihm nicht doch noch abhanden kommt. Darum halte ich Martin in letzter Zeit zu vermehrter körperlicher Betätigung an. Das ist allerdings nicht ganz einfach, da die Sportart, für welche er ansatzweise Talent mitbringen könnte, erst noch erfunden werden muss. Ich hab es – um in Sachen Anspruch ganz unten anzufangen - mit Tischtennis versucht, was zur Folge hatte, dass Martin sich von einem pummeligen Au-Pairmädchen aus Chile an die Wand spielen ließ. Sein Stolz war dadurch leider schon vor seiner Kondition am Ende. Aber die Kondition folgte sogleich, als wir vom Tischtennis zum Badminton wechselten. Nach wenigen Minuten japste die große Liebe meines Lebens schon so herzergreifend, dass ich mich gezwungen sah, ihm die Bälle direkt auf den Schläger zu spielen. Länger wurden die Ballwechsel dadurch leider auch nicht, aber das Japsen ließ nach. Und dann hatte Martin nach seinem Stolz und seiner Kondition auch schon bald die Lust verloren. Mein Plan war also kläglich gescheitert.
Demnächst werde ich Martin in einem dieser homosexuellen Sportvereine anmelden. Vielleicht motivieren ihn junge, gut gebaute Männer dazu, etwas hartnäckiger am Hintern-knackig-Halten zu arbeiten. Wir werden sehen und eventuell auch anfassen.

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